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Hilfe bei der Anwaltssuche

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe empfiehlt aus ihrer Erfahrung Sorgfalt bei der Auswahl des richtigen Anwalts für die häufig notwendigen Prozesse in Angelegenheiten behinderter und chronisch kranker Menschen. Leider werden die Rechte von den Kostenträgern immer wieder mißachtet. Wie kommen wir dann zum richtigen Anwalt?

Behinderte und chronisch kranke Menschen müssen häufig um ihre Rechtsansprüche kämpfen. Gegenüber den jeweiligen Leistungsträgern, Behörden, Arbeitgebern oder dem Finanzamt sind einerseits Fachwissen über oft komplexe Regelungsbereiche, andererseits Kontakte und geschicktes Auftreten gefragt. Wer nicht selbst (oder über einen Interessenverband) darüber verfügt und sich deshalb anwaltlicher Hilfe bedienen will, steht vor der Frage, welcher Anwalt die im jeweiligen Fall gefragte spezielle Rechtsmaterie beherrscht.

Das geltende Recht ist derart komplex, dass sich viele Anwälte auf einzelne Teilgebiete spezialisieren und in den übrigen Bereichen weniger kompetent arbeiten können. Die erste Schwierigkeit besteht darin, das Problem einem dieser Teilbereiche zuzuordnen. Geht es um Sozialrecht? Familienrecht? Mietrecht? Arbeitsrecht? Steuern? Erbrecht? Die Übergänge bei der Bezeichnung der Teilgebiete sind fließend. "Behindertenrecht" als solches gibt es nicht.

Hinzu kommt, dass der Anwalt auch finanziell und menschlich "passen" sollte. Manche Kanzleien mögen nicht auf Prozesskostenhilfebasis arbeiten oder sich mit (häufig zahlungsunwilligen) Rechtsschutzversicherungen auseinandersetzen. In einigen typischen Problemfeldern, beispielsweise im Sozialrecht, sind die gesetzlichen Gebühren der Anwälte vergleichsweise so niedrig, dass viele Anwälte diese schwierige, aber wenig einträgliche Rechtsmaterie nicht bearbeiten wollen. Umgekehrt kann man aber bei einem Anwalt, der die Zusatzqualifikation "Fachanwalt für Sozialrecht" erworben hat, wohl von einer sozialen Grundhaltung ausgehen, die den Kontakt zu behinderten oder kranken Mandanten erleichtert.




Einige Wege bei der Anwaltssuche sind


1. Empfehlungen von Bekannten

Sind sehr verbreitet, sollten aber nicht ungeprüft befolgt werden. Laien können die Qualität und die Spezialbereiche eines Anwalts oft nicht beurteilen. Wer im Gemeindevorstand imposant auftritt, hat vor Gericht nicht unbedingt denselben Erfolg. Und wer einen Mietrechtsstreit gewonnen hat, muss nicht unbedingt auch ein Spezialist für Behindertentestamente sein. Wenn die Empfehlung inhaltlich zu Ihrem Problem passt, sind Sie allerdings einen großen Schritt weiter. Und Negativ-Empfehlungen ("hat mir nicht zugehört", "hat mich nicht ernst genommen") sind häufig zutreffend.


2. Empfehlungen der örtlichen Rechtsanwaltskammer oder der Anwaltsvereine

Alle Rechtsanwälte sind Pflichtmitglied in der für sie jeweils örtlich zuständigen Rechtsanwaltskammer und der Bundesrechtsanwaltskammer. Daneben gibt es freiwillige Mitgliedschaften in den dazugehörigen Anwaltsvereinen. Die meisten örtlichen Rechtsanwaltskammern und Anwaltsvereine verfügen inzwischen über Listen der einzelnen Spezialgebiete und Sprachkenntnisse und geben daraus Empfehlungen weiter. Die Telefonnummern findet man im örtlichen Telefonbuch und/oder den Gelben Seiten. Oft ist es der jeweiligen Person am Telefon auch möglich, die erzählte Geschichte inhaltlich einem der Fachgebiete zuzuordnen. Die Spezialisierungsangaben beruhen auf einer freiwilligen Selbsteinschätzung der Mitglieder und werden nicht überprüft.


3. Internet

Die umfassendste Auskunftsquelle ist die Anwaltsdatei der Deutschen Anwaltadresse http://www.anwaltauskunft.de. Die Deutsche Anwaltadresse ist ein gemeinsamer Service der Bundesrechtsanwaltskammer und des Deutschen Anwaltsvereins, also der Anwalts-Dachorganisationen. Darin sind grundsätzlich alle der über 130.000 in der Bundesrepublik Deutschland zugelassenen Anwälte mit ihrer aktuellen Adresse und den von ihnen angegebenen Spezialgebieten verzeichnet. Man kann entweder nach einem schon bekannten Namen suchen und sich dessen Spezialisierungen ansehen oder nach Fachanwaltsbezeichnungen, Orten usw. suchen.

Über Suchmaschinen im Internet gerät man durch die Suche nach Stichworten außerdem häufig zu den Namen von Anwälten, die zu bestimmten Themen etwas veröffentlicht haben.

Daneben gibt es - ebenfalls über Suchmaschinen auffindbar - eine Anzahl von gewerblichen Anwaltsuchdiensten, die zum Teil allgemein, zum Teil für einzelne Spezialgebiete Anwälte empfehlen. Zu beachten ist dabei, dass in der Regel nur ein Bruchteil aller Anwälte in dem jeweiligen Verzeichnis enthalten ist und die Aufnahme in das Verzeichnis nicht nach Qualifikation geschieht, sondern entweder eine Mitgliedschaft oder eine sonstige Kostenbeteiligung voraussetzt.

Außerdem kann man bei den Anwälten, die eine eigene Homepage haben, die Möglichkeit nutzen, sich anonym einen ersten Eindruck von ihnen zu verschaffen.

Eine Garantie für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem bestimmten Anwalt kann allerdings niemand geben.




Ursel Etzel
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Erbrecht
http://www.etzel-ra.de
ursel@etzel-ra.de